PORT25 - Raum für Gegenwartskunst

OPENING: DO., 24.9. 19:00
HAFENSTR. 25 (FOYER), MANNHEIM
ÖFFNUNGSZEITEN: MI. - SO., 11:00 - 18:00
WORKSHOP MIT HAHN+HARTUNG // SA., 26.9. 14 - 18 Uhr + SO., 27.9. 13 - 17 Uhr
FINISSAGE & ARTIST TALK MIT JOSEFINE RAUCH // SO., 18.10. 18:00

DIE GEGENWART ALS SCHUTZRAUM

Was trägt uns, wenn die Zukunft ungewiss erscheint? Wie reagieren wir auf eine Welt im Krisenmodus? Während „The Last Summer“ die fragile Leichtigkeit eines Sommers im Schatten globaler Krisen erkundet, dokumentiert „Temple Road“ verborgene Räume des Glaubens, der Gemeinschaft und der Hoffnung.
Die Arbeiten von Hahn+Hartung und Josefine Rauch bewegen sich zwischen latenter Bedrohung und gelebter Zuversicht. Gemeinsam erzählen sie von den Strategien, mit denen Menschen Unsicherheit begegnen – und von der Suche nach Sinn, Zugehörigkeit und Stabilität.

 

THE LAST SUMMER // Hahn+Hartung

„Dieser Sommer könnte der letzte im Frieden sein“, so der Militärhistoriker Sönke Neitzel im Frühjahr 2025. Keine Drohung. Keine Panikmache. Sondern seine nüchterne Einschätzung der weltpolitischen Lage. Es ist ein widersprüchlicher Sommer. Die Cafés und Bars sind gefüllt, Stimmengewirr liegt in der Luft, spontanes Gelächter hallt zwischen den Häuserfluchten. In den Parks schwitzen Menschen in der Sonne, kühlen ihre Füße im kalten Wasser eines Bachs. Aus Bluetooth-Boxen und Open-Air-Clubs dringt Musik. Gefühlte, scheinbar grenzenlose Freiheit.
Und doch liegt über alledem ein Schleier der Sorge. Lange galt der Frieden in Europa als selbstverständlich, und dem Wohlstand schienen keine Grenzen gesetzt. Spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat dieses Gefühl Risse bekommen. Vielleicht leben wir gerade deshalb in einer Art Jetzt-erst-recht-Haltung – als Versuch, die Bedrohung zu verdrängen. Vielleicht ist dieser Sommer ein Moment, auf den wir später mit Wehmut zurückblicken. Vielleicht aber ist es einfach nur ein Sommer wie jeder andere.

Miguel Hahn und Jan-Christoph Hartung arbeiten seit vielen Jahren als Fotografen-Duo unter dem Namen Hahn & Hartung. Nach ihrem Studium der Fotografie an der Hochschule Darmstadt und der HAW Hamburg entwickelten sie eine gemeinsame Arbeitsweise, die sich mit gesellschaftlichen, politischen und sozialen Strukturen auseinandersetzt. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen langfristige Projekte, die auf Beobachtung & Recherche beruhen. Ihre Projekte beschäftigten sich unter anderem mit den Folgen des Vietnamkriegs, der Vorbereitung auf Naturkatastrophen in Indonesien, Katastrophenvorsorge in Deutschland sowie gesellschaftlichen Spannungen rund um Themen wie Migration, Identität und Angst.
Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgestellt, unter anderem bei C/O Berlin, in den Deichtorhallen Hamburg, bei Cortona On The Move, den Rencontres Internationales de la Photographie in Arles sowie im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst (BLMK) in Cottbus.

www.hahn-hartung.com

Foto: Hahn+Hartung


Foto: Josefine Rauch

TEMPLE ROAD // Josefine Rauch

In Kooperation mit On film lab FRANKFURT

Ein Gewerbegebiet am Stadtrand von Frankfurt am Main. Hier liegt eine Enklave, die jeden Sonntag eine stille Transformation durchläuft. Während unter der Woche geschäftiges Treiben herrscht, entfaltet sich am Wochenende eine ganz andere Energie. Inmitten von Industriebauten finden verschiedene Glaubensgemeinschaften dicht nebeneinander spirituellen Zuspruch. Über ethnische und kulturelle Grenzen hinweg versammeln sich Gläubige aus der gesamten Rhein-Main-Region für Gebete, Hochzeiten und Geburtstagsfeiern - zwischen Werkstätten, Bürogebäuden und einer Großmetzgerei. So erwachen die schlichten Hallen der „Temple Road“ zum Leben und nehmen eine neue Gestalt an. Hinter verschlossenen Türen, weitgehend unbemerkt vom Rest der Stadt, entsteht ein verborgener Rückzugsort der spirituellen Praxis. Gemeinschaften, die sich nicht in den zentraleren, oft teureren Kirchenräumen niederlassen können oder wollen, erleben hier Anonymität und die Freiheit, ihr Gemeindeleben fernab des öffentlichen Blicks zu pflegen.

Josefine Rauch lebt und arbeitet in Offenbach am Main. Sie schloss 2020 den interdisziplinären Master in Ästhetik an der Goethe-Universität Frankfurt ab. Während des Masterprogramms war sie Gaststudentin für Bildende Kunst, Film und Fotografie an der California State University Los Angeles und arbeitete für die Künstler*innenresidenz Villa Aurora.
Seit 2021 besucht sie Seminare an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin und war 2022 Teil des Art Foto Mode-Programms in Athen, Berlin und Budapest mit den Fotograf*innen Rafal Milach, Vanessa Winship, George Georgiou, Sylvia Sachini, Tim Clark und Michael Grieve. Im Juli 2024 nahm sie an Alec Soths "Workshop at Home" in Minneapolis, Minnesota, teil. Derzeit ist sie Teil der Mahler Klasse bei Ute und Werner Mahler. Ihr Projekt “Temple Road” erhielt den dritten Platz in der Event Kategorie sowie einen Honorable Mention in der Portrait Kategorie beim Sarajevo Photo Festival 2026.

www.josefinerauch.com