NUMA.WORKS

OPENING // SA., 26.9. 20:00
U6, 27 - 28, MANNHEIM
ÖFFNUNGSZEITEN
DO. - SA., 16:00 - 20:00
SO., 15:00 - 18:00
WORKSHOP MIT Ege Ilıcak // SA., 3.10. 10:00 - 18:00
ARTIST TALK MIT Jennifer PetzolD & Ege Ilıcak // SO., 4.10. 19:00

POSITIVER ESKAPISMUS IN FRAGILEN ZEITEN

Wie können wir innere Stabilität bewahren, ohne die Realität auszublenden? Wo verläuft die Grenze zwischen heilsamer Distanz und Verdrängung?
Die Ausstellung versteht Eskapismus nicht als Flucht vor der Wirklichkeit, sondern als bewusste Praxis der mentalen und emotionalen Stabilisierung – als Möglichkeit, innezuhalten, neue Perspektiven zu gewinnen und Resilienz zu entwickeln. Im Zentrum steht die Frage, wie wir in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit bei uns bleiben können, ohne uns von Angst bestimmen zu lassen.
Die sechs fotografischen Positionen erkunden persönliche Rückzugsräume, Momente der Stille und individuelle Strategien des Bei-sich-Bleibens. Sie zeigen Eskapismus als produktive Unterbrechung des permanenten Krisenmodus – als Möglichkeit, Distanz zu gewinnen, Kraft zu schöpfen und den Blick auf die Welt neu auszurichten.

 

IDLE MOMENTS // Ege Ilıcak

Als Individuen sucht jeder von uns seinen eigenen Weg, im Chaos des Alltags ein Gleichgewicht zu finden. Das Erleben innerer Ruhe ist zutiefst persönlich, und es gibt kein einheitliches Bild von Gelassenheit. Für manche liegt sie in der stillen Beschäftigung, ein Buch zu lesen; für andere in der Gegenwart eines geliebten Menschen oder in der Stille des Meeres.

„Idle Moments“ ist eine Serie von Aufnahmen, die diese flüchtigen Momente der Ruhe einfangen, die sich in den Rhythmus des Alltags einfügen. Anstatt außergewöhnliche Ereignisse darzustellen, konzentrieren sich die Bilder auf gewöhnliche, oft unbemerkte Momente, in denen sich Menschen für einen Augenblick aus dem umgebenden Trubel zurückziehen und wieder zu sich selbst finden. Zusammen bilden die Fotografien eine stille Meditation über die vielen verschiedenen Wege, auf denen wir inmitten der ständigen Bewegung der Welt Räume des Friedens schaffen.

Ege Ilicak ist ein türkischer Straßenfotograf, der in Heidelberg lebt. Er fotografiert Fragmente des Alltags im öffentlichen Raum. Für ihn ist die Fotografie eine Möglichkeit, das Gefühl des Voranschreitens im Leben darzustellen und Dinge unvollkommen, aber wahrhaftig zu zeigen – an den Schnittstellen des städtischen Lebens, wo die Lebenswege der Menschen aufeinandertreffen.

www.egeilicak.com


INNERE LANDSCHAFTEN // Nadja Kravcenko

Nadezda Kravcenko beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit der Frage der Vielschichtigkeit des Sichtbaren und dessen Grenzen. Dabei setzt sie bewußt starke Fehlbelichtungen ein und läßt unkontrollierte Bildmanipulationen zu. Durch die Abstraktion und die Reduktion aus etwas im Moment Unsichtbarem entsteht für sie etwas, das fassbar werden kann.

Nadezda Kravcenko (* in Tambow, UdSSR) ist eine bildende Künstlerin. 1991 zog sie nach Heidelberg. Mode-Design-Studium an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim. Textildesignerin und Illustratorin, seit 2023 als freie Künstlerin tätig. Mitglied im Künstlerbund Rhein-Neckar e.V.

www.kravcenko.com


BETWEEN RIVERS // Artem Kunz

In einer reduzierten, minimalistischen Bildsprache bewegen sich die Arbeiten zwischen roher Ehrlichkeit und stiller Zärtlichkeit. Die weitgehende Abwesenheit des Menschen macht seine Präsenz umso spürbarer. Zwischen Dokument und Traum entstehen Bilder über Erinnerung, Identität und Vergänglichkeit — zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden.

Artem Kunz ist Fotograf, Musiker und ehemaliger Journalist aus Berlin. Seine Arbeit verbindet dokumentarische Beobachtung und konzeptuelle Bildsprache. Prägende Kindheitserfahrungen in der sibirischen Taiga und das Leben in großen Städten prägen eine visuelle Sprache, die sich mit Wahrnehmung, Erinnerung, archaischem Instinkt und Beobachtung auseinandersetzt.

www.instagram.com/artemkunz


KERT // Jennifer Petzold

Die Serie kert (ungarisch: Garten) ist über mehrere Jahre im Alltag, im familiären Umfeld und auf Reisen entstanden. Ausgangspunkt der Arbeit war eine Passage aus Anne Lamotts Bird by Bird. Darin beschreibt sie den Garten als einen Ort, an dem Zuwendung, Schönheit und Vergänglichkeit untrennbar miteinander verbunden sind. Dieser Gedanke begleitet die Serie.

Jennifer Petzold (*1992) ist Dokumentarfotografin und Sozialarbeiterin in der Wohnungslosenhilfe. Sie lebt in Mannheim und studierte Kommunikationsdesign, Kunstgeschichte und Soziale Arbeit in Belgien, Deutschland und Norwegen. Ihre Arbeit geht von Alltagssituationen aus, denen sie begegnet, und basiert auf Beobachtungen dieser Momente. Sie interessiert sich für Orte, die von Menschen geprägt wurden, sowie für kleine Verschiebungen und Veränderungen über Zeit hinweg. Fotografie nutzt sie als visuelles Tagebuch, als kontinuierliche Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und dem Sehen als kreative Praxis.

www.jenniferpetzold.com


FEAR OF MISSING OUT // Maxim Schipko

Die Serie lebt die in den Zwischenräumen, dort, wo das Verpassen und das Verharren nebeneinander existieren. Die Aufnahmen sind nicht nur Festhalten von Augenblicken, sondern auch Andeutungen auf das, was hätte sein können, aber nie war. Zwischen den Szenen liegen Brüche von der schnellen, lauten, ungesicherten Welt des Hier und Jetzt bis zu der fast vergessenen Stille der Vergangenheit. In diesem Raum der Erinnerung stellt sich die Frage: Was haben wir wirklich verpasst, und was nehmen wir mit in die Zukunft? Jeder Blick auf diese Bilder trägt die Spur eines Gedankens, der nie ganz gefasst wird, aber immer im Hintergrund schwingt. Die Serie erinnert daran, dass der wahre Verlust nicht das Vergangene ist, sondern das, was wir im Moment übersehen.

www.instagram.com/fotoatze


SCHULTE MUSS LEBEN // Fabian Schwarze

Mit dem Geld, das wir beim Bierverkaufen verdient haben, haben wir uns einen Miles geliehen und Beton gekauft. Schutt bekommen wir überall, und der Rest besteht aus Bierdosen und Müll. Wir bauen diese Orte, auch wenn wir wissen, dass sie werwieder abgerissen werden. Was bleibt anderes übrig in einer polierten, auf Profit ausgelegten Stadt, als sie sich zurückzuholen? Fabian Schwarze begleitet seine Freunde beim Bauen von DIY-Skateparks.

Fabian Schwarze ist 1995 geboren. Während der Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten entdeckte er seine Liebe zur Fotografie. 2025 schloss er seinen Bachelor in Visual Journalism and Documentary Photography in Hannover ab. Seit 2022 wohnt er in Hamburg und arbeitet als selbstständiger Fotograf.

visualjournalism.de/fabian-schwarze